An dieser Stelle erfahren Sie etwas über unsere Familientradition und meine familiären Vorbilder:
Beginnen möchte ich mit meinem geliebten Vater Eberhard Wahl (*16.01.1943, †19.4.1996).

Er war Silberschmied, Dipl. Produktdesigner (HfG Ulm) und Geschäftsführer der Silberwarenfabrik Gayer und Krauss (1919–1999) in Schwäbisch Gmünd.
Mit seinem Gesellenstück wurde er erster Bundessieger. Nach der Lehrzeit besuchte er als einziger Silberschmied die legendäre Hochschule für Gestaltung in Ulm. Sein Diplom machte er mit dem Entwurf eines Heuwenders und der theoretischen Arbeit zum Thema „Kitschobjekte – Designobjekte“. Danach übernahm er die Geschäftsführung im elterlichen Betrieb, der Silberwarenfabrik Gayer und Krauss in Schwäbisch Gmünd. Einen seiner letzten Entwürfe machte er für den Wettbewerb „Dinner for Two“. Mit dieser Wettbewerbsarbeit – genannt „Wohin geht die Fahrt“ – schaffte er es 1996 in das Jahrbuch „Design-Innovationen" (Design-Zentrum Nordrhein Westfalen).
Für meine vier Geschwister und mich waren die Werkstätten der Silberwarenfabrik ein Traum. Immer wieder nahm sich mein Vater Zeit, um mit uns Kindern Schmuck zu machen. Hier genossen wir die Atmosphäre zwischen Werktischen und monsterartigen Riesenpressen, galvanischen Bädern und dem Geruch von Metall, der über allem hing.
Bald gab es Diskussionen über Kunst, Kultur, Design und Kitsch. Kulturelle Unternehmungen mit der ganzen Familie, wie der regelmäßige Besuch der Dokumenta in Kassel, beeinflussten unsere Jugendzeit.
Von meinem Vater bekam ich die größte Unterstützung und die ehrlichste Kritik. Für all das werde ich ihm ewig dankbar sein!
Mein Großvater Karl Wahl (*29.09.1914, † 02.02.1992) war Stahlgraveur, Fabrikant und Zeichner (Designer) der Silberwarenfabrik Gayer und Krauss. Und: einer der ersten modernen Designer für Silberwaren. Sein berühmtestes Werk ist eine silberne Teekanne, das das Designcenter Stuttgart 1983 prämierte.
Mit meinem Großvater verbindet mich etwas ganz Besonderes: Natürlich gilt für uns beide der Gestaltungsleitsatz „form follows function“. Wenn aber die Spatzen auf den Dächern ihre Liedchen pfeifen, wenn die Bienen summen und die Buschröschen blühen, wenn der Frühlingsduft unsere Nase umschmeichelt, oder die Weihnachtsglocken tönen und der Schnee die Welt in Watte packt, dann fangen wir an zu zeichnen. Verspielt, romantisch, hingebungsvoll. Dann lieben wir Herzchen, Sternchen, Schleifchen, Täubchen, Röschen …
Eines unserer Lieblingsbücher – ich habe es von Ihm geerbt – ist voller historischer Stuckelemente. Historismus in seiner reinsten Form! Und meistens, wenn ich mir etwas ankreuzen möchte, ist da schon ein Kreuzchen. Da war mir wieder einer Jahre voraus.
Meine Mutter, Barbara Wahl, ist Grafikdesignerin (FH) und Glasgraveurin.
Sie ist eine große Zeichnerin. Nach ihrer Ausbildung zur Glasgraveurin studierte sie Grafikdesign und besuchte verschiedene Kunsthochschulen.
Sie betonte immer wie wichtig es ist, sich eine solide handwerkliche und theoretische Basis zu erarbeiten. Hat man einmal dieses Fundament, so ist man frei. In der Tat! Als ich klein war, zeichnete sie oft Insekten.Fragte ich sie nach deren Namen, so hatten sie nur Fantasienamen. Sie sagte, wenn man das Wesen und den Bau der Insekten begriffen hat, kann man neue erfinden.
Von ihr lernte ich, genau hinzuschauen. Jede Fliege war es wert ganz genau beobachtet zu werden. Ich werde nie vergessen, wie meine Mutter mich auf die Schönheit ihres Lieblingsinsektes, der Florfliege, hinwies und ich damals begriff, wie zerbrechlich und dabei wunderschön dieses kleine Wesen ist.
Bei ihnen allen möchte ich mich bedanken, dass sie mich während ihrer Arbeit, die nicht immer unter einfachen Bedingungen stattfand, über die Schulter schauen ließen.
Sophia Amalaswintha Ernesta Wahl